Warum die Kalahari keine Wüste ist
05 | Wenn die Zebras kommen
Ein Naturschauspiel zwischen Okavango-Delta und Makgadikgadi-Pans
Jedes Jahr ziehen Tausende Zebras zwischen dem Okavango-Delta und den Makgadikgadi-Pans hin und her. Ihr Weg führt mitten durch unsere Concession. Einen Fahrplan gibt es nicht, nur der Regen sagt ihnen, wann es Zeit ist aufzubrechen.
Ein Weg, älter als jede Strasse
In der Trockenzeit bleiben die Zebras im Okavango-Delta, dort, wo das Wasser nie ganz verschwindet. Im November oder Dezember fällt im Süden der erste Regen, und rund 15’000 Tiere machen sich auf den Weg zu den Makgadikgadi-Pans. Diese Salzebenen liegen die meiste Zeit des Jahres leer und ausgebrannt da. Mit dem Regen werden sie innerhalb weniger Wochen zu einer endlosen grünen Weide.
Die Herden brauchen einige Wochen bis dorthin. Der ganze Rundweg misst rund 500 Kilometer, und sie laufen ihn Jahr für Jahr auf denselben Routen wie ihre Vorfahren. Drei Monate bleiben sie im frischen Gras. Im März sammeln sie sich am Westrand der Pans und ziehen zurück, an Maun vorbei ins Delta und nach Moremi.
Nicht alle gehen mit. Nur etwa 55 Prozent der Zebras nehmen die Reise auf sich, die anderen bleiben das ganze Jahr im Delta. Warum sich die einen auf den Weg machen und die anderen nicht, weiss bis heute niemand genau.
Zwei Wanderungen, ein Land
Botswana kennt noch eine zweite grosse Zebrawanderung, und sie ist die längere von beiden. Über 20’000 Tiere verbringen die trockenen Monate von Juni bis November in den Überschwemmungsebenen des Chobe. Im Dezember setzt der Regen in der Nxai Pan ein, und die Herden ziehen nach Süden. Manche laufen fast geradeaus und sind nach zwei bis drei Wochen am Ziel. Andere nehmen Umwege und stossen erst später dazu.
Etwa drei Monate bleiben sie in der Nxai Pan. Dann beginnt im März der Rückweg, ein weiter Bogen, der bis in den Mai dauert. Manche Zebras legen dabei über 800 Kilometer zurück. Wie weit ihre Wege wirklich reichen, wusste lange niemand. Erst 2012 zeigten Senderhalsbänder, dass die Tiere jedes Jahr mehr als 1’000 Kilometer wandern, durch Gebiete, in die kaum ein Mensch kommt.
Und wir liegen mittendrin
Kwatale Collection liegt im Korridor der Okavango-Makgadikgadi-Wanderung, genau zwischen dem Delta und den Pans. Nicht ohne Grund stehen zwei Zebras in unserem Logo.
Bei uns gibt es keinen Fluss und keine Mokoros. Wir haben weites Trockenland und Wasserlöcher, an denen sich alles versammelt, was Durst hat. Auch Zebras müssen trinken, egal wie weit sie schon gezogen sind. Eines dieser Wasserlöcher liegt direkt vor dem Camp. Du kannst dich hinsetzen und warten, wer als Nächstes aus dem Busch tritt.
So sieht das aus
Vergiss das Bild von einer einzigen Wand aus Streifen. Die Zebras ziehen in Familienverbänden, die einen früher, die anderen Wochen später. Zuerst siehst du eine dunkle Linie am Horizont. Sie wird zu einer Staubfahne, und dann stehen die Tiere vor dir: Stuten mit ihren Fohlen und ein Hengst, der die Umgebung nicht aus den Augen lässt.
Wo Zebras ziehen, ziehen die Raubtiere mit. Löwen und Hyänen wissen genau, wo die Herden gerade sind. Wenn die Zebras kommen, gerät das ganze Land in Bewegung.
Das Land erinnert sich
Diese Wanderungen gäbe es beinahe nicht mehr. In den 1960er-Jahren errichtete Botswana Veterinärzäune, um die Rinder vor der Maul- und Klauenseuche zu schützen. Die Zäune zerschnitten Routen, die seit Jahrtausenden bestanden. Mitte der 2000er-Jahre wurden sie versetzt, und ein Teil der Herden nahm die alten Wege wieder auf. Niemand hatte es ihnen beigebracht. Sie wussten es noch.
Für die Forschung ist das mehr als eine schöne Geschichte. Herden, die weiterziehen, weiden ein Gebiet nicht kahl, das Land bleibt also gesünder, als wenn die Tiere ganzjährig am selben Ort stünden. Wie sich die Wanderungen langfristig auf die Zebrabestände auswirken, ist noch offen. Sie zeigen aber schon jetzt, dass sich eine Landschaft erholen kann, wenn man ihr den Weg wieder freigibt.
Wann du kommen solltest
Die Zebras sind in der Regel zwischen Dezember und März unterwegs, also in der grünen Jahreszeit. Ein genaues Datum können wir dir nicht versprechen, denn der Regen hält sich an keinen Kalender. Unsere Guides lesen das Land und sagen dir, wo die Herden gerade stehen.
In dieser Zeit schliessen viele andere Camps. Wir öffnen. Das Land leuchtet sattgrün, überall gibt es Jungtiere, und du teilst das alles mit fast niemandem.
Möchtest du die Zebras auf ihrem Weg erleben? Schreib uns.
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